Lieferbedingungen zur 3D-Digitalisierung

Spezielle Lieferbedingungen des Instituts für innovative Technologien, Technologietransfer, Ausbildung und berufsbegleitende Weiterbildung e. V. Chemnitz – (nachfolgend ITW genannt) für die Durchführung der optischen 3D-Digitalisierung und die Weiterverarbeitung der Digitalisierdaten im Auftrage Dritter

  1.  Leistungsumfang, Vertragsgegenstand

    Bei der Annahme eines Auftrages wird vorausgesetzt, dass der Auftraggeber über die Möglichkeiten und Grenzen der 3D-Digitalisierung informiert ist und die für den aktuellen Auftrag angebotene Vorgehensweise akzeptiert. Der durch das ITW zu erbringende Leistungsumfang wird im Angebot eindeutig beschrieben, wobei folgende Begriffs- und Leistungsdefinitionen gelten:

    1. Vorbehandlung der zu digitalisierenden Objekte

      Die eingesetzten optischen 3D-Sensoren arbeiteten mit Halogenlicht. Dunkle, glänzende oder transparente Oberflächen liefern deshalb nur unzureichende Digitalisierergebnisse. Aus diesem Grunde erfolgt die Vorbehandlung derartiger Objektoberflächen mit Hilfe eines Kreidesprays, das in der Regel problemlos trocken oder nass abgewischt werden kann. Wenn nicht ausdrücklich anders vereinbart, wird das Einverständnis des Auftraggebers mit dieser im Angebot benannten Vorgehensweise vorausgesetzt.

    2. optische 3D-Digitalisierung (Digitalisierung)

      Erfassung der vereinbarten, sichtbarer Oberflächenabschnitte eines durch den Auftraggeber bereitgestellten physischen Objektes mit Hilfe optischer 3D-Sensoren. Oberflächenabschnitte, die aufgrund des Triangulationswinkels der Sensorik nicht digitalisiert werden können, z.B. enge oder tiefe Einschnitte und schmale Stege, werden nach Vorlage der Objekte mündlich oder im Angebot benannt.
      Die Anzahl der erforderlichen Messaufnahmen, d.h. einzelne 3D-Messpunktewolken mit angebotenem Punkteabstand, ist abhängig von Größe und Komplexität der zu digitalisierenden Oberflächen.

    3. Vorverarbeitung der Messpunktewolke

      Diese Leistung umfasst das Fügen der einzelnen Messaufnahmen, das Bereinigen des Ergebnisses von Fehlerpunkten, die durch Fremdlichteinflüsse verursacht wurden, und das Entfernen von Messpunkten, die nicht zum Objekt gehören, sowie das Ausdünnen (Vergrößerung des Messpunkteabstandes) auf ein der Oberflächenkomplexität entsprechendes Maß.

    4. Ausrichtung der Messpunktewolke

      Die Koordinaten der ermittelten Messpunkte beziehen sich auf das Koordinatensystem der 3D-Koordinatenmessmaschine (stationäre Digitalisierung) oder des Sensors (mobile Digitalisierung). Eine Ausrichtung der Koordinaten nach den Anforderungen des Auftraggebers ist möglich, wenn sich definierte Formelemente (Ebenen, Zylinder, Kugeln, Anrisspunkte, o.ä.) am Objekt befinden. In der Regel werden hierzu 3 ermittelbare Raumpunkte benötigt.

    5. Anfertigung geordneter Schnitte

      Erzeugung von Schnitten in konstantem Abstand durch die Messpunktewolke, wobei Richtung und Abstand der Schnitte von der Komplexität der Oberflächenform abhängig sind und vereinbart werden können. Die Schnittfunktion liefert in der jeweiligen Blickrichtung einzelne Scans, die Koordinatenpunkte immer dort einbeziehen, wo sich in einem definierbaren Toleranz-“Tunnel“ Punkte der aktuellen Messpunktewolke befinden.
      Schnitte durch – aus Blickrichtung – steile oder gar senkrechte Bereiche der Messpunktewolke sind nicht für die Nachkonstruktion eines Objektes geeignet und sollten verworfen werden. Die Schnitte aus anderen Blickrichtungen liefern hierfür die erforderlichen Informationen.

    6. Flächenrückführung

      Für die Flächenrückführung haben die Digitalisierdaten das Primat. Im Ergebnis entstehen Freiformflächen (NURBS; Non-Uniform Rational B-Spline and Surfaces). Ungewollte Oberflächenformen (Verschleiß, Ziehfalten, o.ä.) werden in der Messpunktewolke abgebildet und können – nur im Rahmen der Vertretbarkeit des Ausführenden – geglättet bzw. ausgebessert werden. Werkzeugtechnische Aspekte (Aushebeschrägen, Berücksichtigung von Aufspreizungen nach dem Ziehvorgang, u.ä,) werden bei der Flächenrückführung nicht einbezogen.
      Die Nach- bzw. Neukonstruktion eines Objektes oder eines zugehörigen Werkzeuges im Sinne von CAD wird in der Regel nicht angeboten.

    7. Triangulation (STL-Daten)

      Für die Fertigung von Prototypen mit Hilfe von Rapid-Prototyping-Verfahren sowie für CAD-/CAM-Systeme mit entsprechender Schnittstelle können STL-Daten zur Verfügung gestellt werden. Die Erzeugung der STL-Datensätze erfolgt durch Triangulatation der vorverarbeiteten Digitalisierdaten.

    8. Soll-Ist-Vergleiche

      Die Überprüfung der Maßhaltigkeit physischer Objekte ist durch flächenhaften Vergleich der Digitalisierdaten mit den zugehörigen CAD-Datensätzen möglich. Beide Datensätze werden hierbei über zu vereinbarende Ausrichtepunkte oder nach der Best-Fit-Methode zur Deckung gebracht. Die im Ergebnis entstehende Falschfarbendarstellung zeigt die existierenden Abweichungen auf.

    9. Datenformate

      Die Bereitstellung der Ergebnisdaten erfolgt bevorzugt im ASCII-Format für geordnete oder ungeordnete Punktewolken, im STL-Binary- oder STL-ASCII-Format für triangulierte Punktewolken und im IGES- oder VDA-FS-Format für Kurven- und Flächendaten

  2. Bereitstellung / Abnahme

    1. Die Bereitstellung der Ergebnisse der 3D-Digitalisierung erfolgt in der schriftlich oder mündlich zu vereinbarenden Form.
    2. Die Abnahme der Ergebnisse gilt als erfolgt, wenn der Auftraggeber nicht innerhalb von 7 Kalendertagen nach der Bereitstellung/Übersendung unter genauer Bezeichnung des Mangels ausdrücklich der Abnahme widerspricht.
  3. Gewährleistung / Haftung

    1. Das ITW steht im Rahmen der Gewährleistung dafür ein, dass die gelieferten Ergebnisse der 3D-Digitalisierung den vereinbarten und im Angebot definierten Leistungen entsprechen.
    2. Die Gewährleistungsfrist beginnt am Tag der Datenbereitstellung. Sie beträgt 6 Monate.
    3. Fehler in den übergebenen Ergebnisses, die unter die Gewährleistungspflichten fallen, werden vom ITW in einem angemessenen Zeitrahmen kostenlos behoben.
    4. Die Gewährleistungspflicht besteht nicht, wenn die Weiterverarbeitung der bereitgestellten Ergebnisse mit Hilfe von CAD/CAM-Systemen Dritter aufgrund der Datenkomplexität oder aufgrund unterschiedlicher Datenformat-Interpretationen erschwert oder nicht möglich wird.
    5. Für Beschädigungen am zu digitalisierenden Objekt haftet der Auftragnehmer nur dann, wenn grob fahrlässiges Verhalten zur Beschädigung führte. Für Schäden oder den Verlust des Objektes während des Transportes durch Dritte haftet der Auftragnehmer nicht.
    6. Eine über die Fehlerbeseitigung hinausgehende Haftung, gleich welcher Art, insbesondere die Übernahme von Folge- und indirekten Schäden ist ausgeschlossen.
  4. Geheimhaltung

    1. Aufträge zur optischen 3D-Digitalisierung und Weiterverarbeitung der Digitalisierdaten werden vertraulich behandelt. Besondere Maßnahmen zur Geheimhaltung müssen schriftlich vereinbart sein.
    2. Die Objekte selbst sowie Bildinformationen zum Objekt finden in Veröffentlichungen des ITW keine Verwendung, es sei denn, dass für die Veröffentlichung eine eindeutige Freigabe durch den Auftraggeber vorliegt. Die Freigabe gilt auch als erteilt, wenn sie in mündlicher Form erfolgt.
    3. Die Weitergabe jeglicher Informationen an Dritte, z.B. zwecks Weiterbearbeitung der Digitalisierdaten, erfolgt nur im direkten Auftrag des Auftraggebers. Dieser Auftrag gilt auch bei mündlicher Vereinbarung als erteilt.
    4. Die Digitalisierdaten werden im ITW für einen Zeitraum von 6 Monaten archiviert und danach auf dem betreffenden Computer gelöscht. Davon abweichende Zeiträume bedürfen der Vereinbarung.
  5. Sonstiges

    1. Die vorstehenden „Speziellen Lieferbedingungen des ITW für die Durchführung der optischen 3D-Digitalisierung und die Weiterverarbeitung der Digitalisierdaten im Auftrage Dritter“ gelten immer in Verbindung mit den „Allgemeinen Lieferbedingungen des ITW“.
    2. Sollte eine Bestimmung dieser allgemeinen Bedingungen oder eine Bestimmung  im Rahmen sonstiger gültiger Vereinbarungen unwirksam sein, so wird hiervon die Wirksamkeit aller  anderen Bestimmungen oder Vereinbarungen nicht berührt.

Stand: 06. 2009